Veränderungen

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Ein Straßenbahntriebwagen, der – wie der "Blaue Enzian" – rund 55 Jahre im Liniendienst eingesetzt wurde, und zwischenzeitlich schon seinen 111. Geburtstag gefeiert hat (das ist jetzt auch schon wieder etwas her...), muss im Laufe dieser langen Zeit zwangsläufig viele Veränderungen über sich ergehen lassen. Schauen wir uns an, welche das im Einzelnen waren!

Fahrgestell und Plattformen
Vieles ist noch echt am Triebwagen 93 - dem "Blauen Enzian". Das Fahrgestell aber beispielsweise nicht mehr so ganz – bereits in seiner Zeit im Liniendienst hat der Wagen ein neues erhalten. Und länger ist der Wagen auch geworden. Die ursprünglich (und heute wieder) offenen Plattformen wurden im Laufe der Zeit verlängert und geschlossen. Damit wurde endlich ein Wetterschutz für die Fahrer, Schaffner und auf den Plattformen stehenden Fahrgäste geschaffen. Die nach der ersten Serie beschafften Wagen besaßen bereits ab Werk geschlossene Plattformen. Mit der Verlängerung wurde gleichzeitig eine Vergrößerung der Stehplatzkapazität erreicht. Bei der Restaurierung wurde die Verkleidung der Plattformen zwar wieder entfernt, aber die Plattformen nicht wieder verkleinert. Auch das Fahrgestell wurde beibehalten.

Fahrmotoren
Der "Blaue Enzian" ist mit zwei Fahrmotoren zu je 53 kW ausgestattet. Die ersten Wagen besaßen lediglich einen 19 kW-Motor, während die zuletzt gelieferten, zu denen auch unser Triebwagen 93 gehört, bereits mit 2 Motoren ausgestattet waren, die aber weniger Leistung besessen haben dürften. Die stärkeren Fahrmotoren wird der Wagen vermutlich zusammen miit dem neuen Fahrgestell erhalten haben. Da die Motoren von außen nicht zu sehen sind, fällt diese Änderung praktisch nicht ins Gewicht.

Magnetschienenbremsen
Mit immer dichter werdendem Verkehr reichte die durch die schlechte Haftreibung des Rad-Schiene-Systems erzielbare Bremsverzögerung in Gefahrensituationen nicht mehr aus (oder einfacher ausgedrückt: der Bremsweg von Schienenfahrzeugen ist schlichtweg zu lang!), so dass vom Gesetzgeber ab 1960 Magnetschienenbremsen für Straßenbahnen, die im öffentlichen Verkehrsraum fahren, vorgeschrieben wurden. Diese Bremsen gab es zwar schon lange vor 1960, nicht aber, als der "Blaue Enzian" hergestellt worden ist, so dass sie nachträglich eingebaut wurden. Auch dies eine Veränderung, die kaum ins Auge fällt.

Heizung
Der Fahrgastraum des "Blaue Enzians" ist mit 4 elektrischen Heizkörpern unter den Sitzbänken ausgestattet, die er zwar mit Sicherheit bereits sehr lange besitzt, die u.U. aber nicht von Anfang an da waren. Möglich wäre beispielsweise auch, dass der Wagen ursprünglich noch mit Kohleöfen beheizt wurde. Eine andere denkbare, damals übliche Alternative wäre ferner, dass die Anfahr-/Bremswiderstände ganz oder teilweise unter dem Wagen installiert waren, und ihre Wärme im Winter über verstellbare Luftkanäle ins Wageninnere geleitet wurde. Verlässliche Angaben zu solchen Details bestehen heute wohl leider nicht mehr.