Über die "alten" Fotos

Bilder, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein
Im Fotoalbum gibt es zwei "alte" Fotos (eins wurde auf Seite 1 "geklebt", das andere ist gerade halb aus dem Album "herausgefallen"), die sehen ziemlich alt aus... sind sie aber nicht. Sie bilden nur "schmückendes Beiwerk" für das Album. Keinesfalls sollen sie den Eindruck erwecken, wirklich alt, gar historisch, zu sein. Mit ihnen sollen nicht "Fakten dokumentiert" werden, die es in Wahrheit gar nicht gibt.

(Un-)Sinn und Zweck der Bilder
Dabei ist das erste Bild (das von Seite 1 des Albums) ursprünglich vor durchaus ernsthaftem Hintergrund entstanden: es sollte nämlich eigentlich für den Beitrag Veränderungen zeigen, welche äußerlichen Unterschiede in den vielen Jahren am Triebwagen 93, dem "Blauen Enzian", entstanden sind (oder besser: entstehen mussten), damit der Wagen heute noch fahren darf. Am Anfang war alles noch farbig, nur die Änderungen wurden wegretuschiert. Einmal soweit, entstand die Idee, das ganze Foto ordentlich altern zu lassen und es als Dekoration einzusetzen – keinem anderen Zweck dient dieses Bild. Diese "Foto" existiert in der Realität genau so wenig wie die zweite Schwarzweißaufnahme, oder das Polaroidbild oder der Diastreifen!

Nicht konsequent
Die Alterung des Bildes wurde dann aber nicht mehr konsequent verfolgt, nachdem feststand, dass es letztlich nur noch was für's Auge sein sollte. Mehr dazu weiter unten.

Hobby Straßenbahn – Spaß an der Freude
Der "ernsthafte" Straßenbahnfan interessiert sich natürlich auch für trockene Statistiken, wie Wagenparklisten und andere greifbare Fakten. Aber das Hobby kann auch auf einer anderen Ebene einfach nur Spaß machen, wenn man nämlich beispielsweise die bei dieser Freizeitbeschäftigung üblicherweise in großer Zahl anfallenden Fotos nicht bloß "abheftet" und gelegentlich mal wieder anschaut... man kann mehr daraus machen!

Wie es gemacht wurde
Für diejenigen, die an der Entstehung dieser Bilder interessiert sind, folgt nun eine kurze Beschreibung, wie es gemacht wurde. Und die erwähnten Änderungen am TW93 sollten auch etwas klarer werden. Im Übrigen geht es nur noch am Rande um Straßenbahnen, die überwiegend bloß noch als Bildmotive vorkommen. Natürlich kann und soll hier kein Kurs zu Bildbearbeitungssoftware entstehen, das ist nicht der richtige Ort dafür.

Vorweg: ein allgemein wichtiges Hilfsmittel
Das Internet ist u.a. ein sehr von optischen Effekten geprägtes Medium. Es kommen viele Bilder zum Einsatz. Um da den Überblick zu behalten, hat sich der für private Nutzung kostenlose Bildbetrachter "FastStone Image Viewer" sehr bewährt. Aber "FastStone" kann noch viel mehr! Insbesondere beim Zuschneiden und vor allem bei der Größenänderung (Skalierung) von Bildern ist diese Software fast unschlagbar. Sie kann es da locker in vielen Bereichen mit kostenpflichtigen Programmen aufnehmen, beispielsweise mit dem auf (möglichst) verlustfreie Skalierung spezialisierten Programm "PhotoZoom". Wenn das Bild nach dem verkleinern wieder nachgeschärft wird, entstehen wirklich brauchbare Ergebnisse. Alle Vorschaubilder von "Linie1-online" sind beispielsweise so entstanden. Aber auch die sonst noch benötigten Funktionen zur Bildkorrektur sind bei "FastStone" gut realisiert worden.

Der Startpunkt: Unser 'Blauer Enzian' während einer Sonderfahrt im Rheinhafen Schritt 1: Menschen (links und rechts neben der Bahn) und Gebäude werden entfernt Schritt 2: Zielbeschilderung ändern, SWK-Logo, Leuchten und Reflektoren entfernen
Start Schritt 1 Schritt 2

Das Ausgangsbild
Nun zur Entstehung des "alten" Fotos: Ausgangspunkt für das Bild war oben das linke Foto (Start), das bei einer Sonderfahrt im Jahr 2012 im Rheinhafen entstanden ist. Damit beginnt die "Matamorphose".

Störenfriede entfernen (Schritt 1)
Als äußerst störend erweisen sich erst einmal die Menschen links neben dem Wagen (mehrere) und rechts (einer), denn ihre Kleidung würde das Bild sofort als das entlarven, was es tatsächlich ist: eine Fälschung. Die müssen also weg! Und wenn wir schon dabei sind, lassen wir das Gebäude im Hintergrund gleich mit verschwinden. Als Ersatz bieten sich der Himmel und das ohnehin vorhandene "Grünzeug" an. Wo jetzt noch die Menschen stehen, muss Asphalt her (den gab's so damals noch nicht, fällt aber am Schluss eh nicht mehr auf). Das dafür geeignete Werkzeug gibt es in jedem Bildbearbeitungsprogramm und nennt sich beispielsweise "Klon-Stempel", "Reparatur-" oder "Retuschierpinsel" etc., und verfügt – je nach Software – über teilweise sehr intelligente und leistungsfähige Möglichkeiten, das gesteckte Ziel einfach zu erreichen. Nachdem das erledigt wurde, sah das Ergebnis dann so aus, wie oben im mittleren Bild (Schritt 1) zu sehen. Die Änderungen erfolgten nur in dem Bereich, der für das spätere Bild gebraucht wird.

Jetzt ist der Wagen dran (Schritt 2)
Bisher hat sich am TW93 selbst nichts geändert, außer dass er nun alleine da steht. Das soll sich nun ändern! Zuerst wurden die Linien- und Zielbeschilderung ausgetauscht. Um die Originalschrift zu entfernen, wird der Umgebung wieder mit dem Klon-Werkzeug ein passendes Muster entnommen – einfaches Einfärben sähe zu unnatürlich aus. Anschließend kann neu beschriftet werden. Bei der Liniennummer konnte sogar die Befestigung der Zahl erhalten bleiben. Anschließend wurden die Rück- und Bremslichter mit Blinker und die "Katzenaugen" sowie das SWK-Logo wegretuschiert. Genau genommen hätte zumindest die kleinere Steckdose des Niederspannungsbordnetzes entfernt werden müssen, denn das gab es noch nicht, sie wurde aber an Ort und Stelle belassen. Das Gleiche gilt für die seitlichen Blinker.

Schritt 3: Stangen- statt Scherenstromabnehmer, Wagennr. überarbeiten, Spiegelung in linker Scheibe entfernen Schritt 4: Ausschnitt wählen, in Graustufen wandeln, Alterungsfilter anwenden Schritt 5: Bildrahmen montieren und dessen unregelmäßigen Rand freistellen. Fertig!
Schritt 3 Schritt 4 Schritt 5

Der Wagen bekommt den Rest (Schritt 3)
Nun wird noch der Scherenstromabnehmer "abgebaut" (der in Krefeld erst 1934 eingeführt wurde) und die Trolleystange angedeutet. Die störende Spiegelung einer Straßenlaterne im linken Fenster kam weg. Zum Schluss wurde noch die Wagennummer versetzt. Insgesamt wurden die Änderungen nicht konsequent durchgeführt, sondern verschiedene tatsächlich ältere Fotos zu Rate gezogen, die aber nicht exakt datiert werden konnten. So wurde im Laufe der Jahre die Schriftart für die verschiedenen Beschriftungen mehrfach geändert und auch die Position der Wagennummer wechselte einige Male. Die auf dem Bild gewählte dürfte erst sehr viel später verwendet worden sein. Da wurde also einiges vermischt. Weil aber, wie eingangs erwähnt, kein historisch einwandfreies Bild, sondern letztlich dann doch bloß ein "Versatzstück" zur Dekoration entstehen sollte, spielte das keine große Rolle.
Die Unsicherheit, wann nun welche Änderung genau eingetreten ist, führte auch dazu, den eigentlich gefassten Plan aufzugeben, nämlich zu zeigen, wie es früher mal war.
Alle bislang durchgeführten Veränderungen wurden mit Hilfe einer alten, leider nicht mehr erhältlichen Software, dem "Micrografx Picture Publisher 10", vorgenommen. Wo dessen Fähigkeiten nicht reichten, kamen "Adobe Photoshop Elements 10" und "Corel PaintShop Pro X4" zum Einsatz. Damit wäre es natürlich auch komplett gegangen.

Da sieht die Bahn aber alt aus (Schritt 4)
Für die eigentliche Alterung des Bildes wurde ein höchst interessantes freies (also kostenloses) Programm mit ganz erstaunlichen Fähigkeiten verwendet, das sich "Photoscape" nennt. Diese Software besitzt einen hohen "Spaßfaktor" für die Bearbeitung von Bildern. Trotzdem können damit wirklich bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden. Zuerst wurde ein dem damaligen Fotoformat entsprechender quadratischer Bereich ausgeschnitten, der dann in ein Graustufenbild umgewandelt wurde. Der eigentliche Alterungsprozess kann anschließend mit nur einem Filter erreicht werden, wovon die Software alleine 7 verschiedene vorzuweisen hat.

Alles im Rahmen (Schritt 5)
Den passenden Rahmen lieferte dann wieder "PaintShop Pro". Damit wurde dem Bild auch noch die typische Sepia-Tönung verpasst. Der unregelmäßige Rand des Bildes wurde zum Schluss noch mit dem Photoshop-Plugin "CutOut" freigestellt – das war's dann auch schon.

Unspektakulär: Das 2. Foto wird nur in Graustufen gewandelt, ein Alterungsfilter und ein Rahmen verwendetDie zweite Schwarzweißaufnahme
Die zweite Aufnahme entstand völlig unspektakulär mit ein paar Handgriffen, da am Bildinhalt nichts verändert wurde, mal abgesehen davon, dass es sich wieder nur um einen quadratischen Ausschnitt des Bildes handelt. Daher beschränkten sich die Arbeiten auf: Ausschnitt wählen, Umwandlung in Graustufen, Filter anwenden ("PhotoScape", siehe Schritt 4), Rahmen drum ("PaintShop Pro"), fertig.

Kennen Sie noch Polaroid?
Unsere Triebwagen 626, die "PartyTram", wurde scheinbar mit einer Polaroid-Sofortbildkamera abgelichtet... ja, aber nur im PC!Die 'PartyTram': Eine spezielle Software täuscht ein Polaroid-Foto vor Kennen Sie noch diese Kameras? Nein? Sie lieferten wenige Minuten nach der Belichtung ein "sich selbst entwickelndes" Positiv-Bild. Die "Abzüge" besaßen ein sehr charakteristisches Aussehen, besonders gekennzeichnet durch den unsymetrischen Rand, der an einer Seite erheblich breiter war, als an den anderen, und die Dicke, da im Inneren jedes Bildes etliche Folien enthalten waren.
Für Bildbearbeitungsprogramme existieren die verschiedensten Polaroid-Filter oder -Effekte – von solchen, die bloß den Rahmen hinzufügen bis zu solchen, die auch dem Bild das spezielle Aussehen verleihen. Ein wirklich nettes eigenständiges Programm (das hier verwendet wurde) ist "Poladroid". Es kostet nichts und legt nach dem Start ein großes Polaroid-Kamere-Icon auf dem Desktop ab, worauf sich Bilddateien mit der Maus ziehen lassen. Sodann werden sie aus der Kamera ausgeworfen und entwickeln sich langsam. Alle dabei durchlaufenen Stadien können gespeichert werden. Das ist wirklich gut gemacht und liefert tolle Ergebnisse!
Auch hier wurde nur wieder was zur Dekoration geschaffen, denn der 'FOC' im Hintergrund macht die Illusion natürlich zunichte.

Der Diastreifen erforderte zwar etwas manuelle Nachbearbeitung, an den Fotos wurde aber nichts verändertBleibt noch der Diastreifen
Im Zeitalter der Digitalfotografie sind sie weitestgehend ausgestorben, die "analogen" Negativ- und Diapositiv-Filme. Für den Diafilm wurde wieder eine Funktion von "PaintShop Pro" verwendet (Bilderrahmen). Die Funktion stattet nur ein einzelnes Bild mit dem Rahmen aus und ist nicht ganz durchdacht, denn beim Aneinanderreihen passt die Mitnehmerperforation am Rand nicht nahtlos zusammen. Außerdem bekommen die Bilder alle die gleiche Nummer. Nachbearbeiten ist also angesagt! Um einen Film im üblichen 36x24 mm-Format nachzubilden, sind also Bildausschnitte im Format 3:2 zu wählen. Mehr wurde auch an den Bildern selbst nicht gemacht. Die Zwischenräume der Bilder wurden manuell verschoben, damit die Perforation wieder passt. Die Nummerierung wurde noch modifiziert und anschließend mit einer Chromamaske die Löcher transparent gemacht, damit der Untergrund zu sehen ist.
Einfacher wäre es beispielsweise mit der kostenlosen Software "Gimp" (kommt ursprünglich von Linux, gibt es aber längst auch für Windows) gegangen, denn dort lassen sich beliebig viele Bilder in den Streifen einfügen. Allerdings fällt da die Nummerierung sehr spartanisch aus, weshalb der beschriebene Weg gewählt wurde.

Warum das Ganze?
Der Besuch von "Linie1-online" soll auch Spaß machen. Dazu gehört, dass dem Auge hin und wieder was Nettes geboten wird. Und bei einem Bilderalbum bietet sich das eben an, so wie es gemacht wurde. Das ist alles – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Bleibt die Frage: Warum wurde nicht einfach ein echtes altes Foto verwendet? Zumindest die einschlägigen Bücher sind doch voll davon. Und das Internet auch. Die Antwort ist ebenso traurig wie banal: Es wurde kein geeignetes gefunden. Wenigstens nicht von unserem "Blauen Enzian"! Und Aufnahmen aus dem Internet oder gar aus Büchern sind wegen des Urheberrechts natürlich tabu. Obgleich es Bilder gibt, für die das nicht mehr oder nur eingeschränkt gilt.