Nummer 93

Der elektrische Straßenbahnbetrieb in Crefeld startete mit immerhin 46 "Motorwagen", wie Triebwagen damals genannt wurden. Trotzdem ist die Nummer 93 des "Blauen Enzians" ja mehr als doppelt so hoch, wie überhaupt "Motorwagen" vorhanden waren. Gibt es dafür einen heute noch nachvollziehbaren Grund?

Ja, den gibt es! Zwar waren die ab 1900 gelieferten Straßenbahn-"Motorwagen" die ersten mit elektrischem Antrieb, aber sie waren natürlich nicht die ersten Fahrzeuge an sich, denn es gab ja zuvor schon die Pferde- und Dampfbahn. Ursprünglich wurde in Crefeld nach keinem speziellen Schema numeriert. Man hatte bei "1" angefangen und dann relativ kontinuierlich weiter hochgezählt, so dass die neuen elektrischen Straßenbahnen die Nummern 51 bis 96 erhielten – der "Blaue Enzian" wurde als einer der letzten geliefert und bekam die Nummer 93.

Neues Schema ab 1920
Die 93 behielt der Wagen bis 1920. Da wurde ein Schema eingeführt (das bis heute bei den regulären Fahrzeugen beibehalten wurde): Die Straßenbahn-Triebwagen wurden nun mit dreistelligen Nummern versehen, wobei die erste Stelle die Anzahl der Achsen kennzeichnet. So wurde 1920 aus Triebwagen 93 der TW 236. Nachdem der 2. Weltkrieg große Lücken in den Wagenpark und somit auch in die Nummernreihen gerissen hatte, wurden die Fahrzeuglücken ab 1949 mit der ersten Neubeschaffung von Straßenbahnen geschlossen und die Nummern neu geordnet. Jetzt bekam der Wagen die Nummer 247. Die hatte er noch, als er 1955 aus dem Dienst ausschied und auf der "Flucht" vor der Verschrottung in sein "Versteck" in Hüls wanderte (mehr dazu auf der Seite "Ein Wunder"). Mit der Restaurierung 1970 erhielt der Wagen dann – so gut es ging – sein altes Aussehen und vor allem seine alte Nummer 93 zurück (mehr dazu auf der Seite "Veränderungen").

Die Fahrzeugnummern des "Blauen Enzians" noch einmal auf einen Blick:

Jahreszahlen Nummer
bis 1920 93
1920-1949 236
1949-1970 247
ab 1970 93

Ausnahme und Irrtum
Von dem oben genannten Schema wurde bisher nur ein Mal abgewichen (abgesehen vom historischen "Blauen Enzian" mit seiner ebenfalls historischen zweistelligen Nummer), als nämlich die Krefelder Verkehrs-AG (KREVAG) 1959 die ersten 4-achsigen Gelenkwagen erhielt. Eigentlich hätten deren Wagennummern gemäß Schema mit "4" beginnen müssen. Diese Zahl war aber bereits durch die ebenfalls 4-achsigen Großraumwagen belegt. Statt den Nummernbereich aufzuteilen (so viele Fahrzeuge gab's ja auch wieder nicht), wurde die "3" als erste Ziffer gewählt. Diese "Dreihunderter-Nummern" führen heute gelegentlich dazu, dass behauptet wird, die Gelenkwagen seien 3-Achser gewesen, was jedoch definitiv nicht der Fall war! Es hätte aber durchaus möglich sein können, weil es diesen Wagentyp auch mit einachsigem Nachläufer tatsächlich gab – nur eben nicht in Krefeld.